Homepage des Bosselverein "Liek-ut" Westersander-Hüllenerfehn

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Impressum

 

Der Vorstand des Boßelverein"Liek-ut"

1.Vorsitzender

2.Vorsitzende

3.Vorsitzende

Kassenwart

Schriftführerin

 

 

 

 

 

Joachim Flessner

Angela Zimmermann

Horst Ahrens

Ewald Ostermann

Sonja Ubben

 

 

 

 

Die Vereinsgeschichte seit 1929

 

Gegründet wurde der BV "Liek ut" im Jahre 1929 in der legendären Gaststätte Albers in Hüllenerfehn. Dieses Lokal war die Heimat des Vereins bis etwa 1975. Damals wurde die Bosselstrecke nach Westersander verlegt und  die Gaststätte Groeneweg wurde zum neuen Vereinslokal - bis zum heutigen Tage.

Alle zehn Gründungsmitgliedern des Vereins sind mittlerweile leider verstorben.

Ungewöhnlich für einen Verein, der jetzt fast 80 Jahre besteht, ist sicher die Tatsache, dass mit Engelbert Reuter, Siemen Aukes, Konrad Röben, Richard van Düllen, Jann Reuter und Joachim Flessner erst sechs Vorsitzende den Verein führten. Entscheidend war dabei auch, dass Jann Reuter mit einer 8-jährigen Unterbrechung  fast 38 Jahre den Vorsitz im Verein hat.

Der BV "Liek ut" erlebte - wie eigentliche alle Vereine, die über einen so langen Zeitraum bestehen - Höhen und Tiefen. Insbesondere durch den 2. Weltkrieg und den daraus resultierenden menschlichen Tragödien und  wirtschaftlichen Folgen wurde auch der BV "Liek ut" schlimm getroffen.Aber die Bosselsportler hielten zusammen - selbst wenn man finanzielle Miseren aus privater Tasche abfedern musste. Und so ist es in den letzten fünfzig Jahren eigentlich immer bergauf gegangen.

Von den Einzelwerfern und -werferinnen und Mannschaften des Vereins wurden immer wieder tolle Erfolge gefeiert. In den Siegerlisten tauchen dabei immer wieder die für Westersander, Hüllenerfehn und Umgebung typischen Namen Albers, Saathoff, Bussmann, Poppen oder Hagen auf. Besonders zu nennen ist hier sicher Roolf Albers als dreimaliger Goldmedaillengewinner bei den Kreis-, Ostfriesland- und FKVmeisterschaften. Einen tollen Erfolg feierte 1994 auch die männliche E-Jugend und 2007 Taalke Saathoff, die Ostfrieslandmeister bzw. FKV-Meisterin wurden.

Im Vereinslokal Groeneweg wird anhand von unzähligen Pokalen und Urkunden deutlich, wie viele schöne Erfolge errungen wurden!

Anfang der neunziger Jahre kamen die Verantwortlichen im Verein zu der Überzeugung, dass es für eine langfristige Bestandssicherung für den Verein unerlässlich wurde, auch andere Aktivitäten als Bosseln zu entwickeln. So veranstaltet man seit 1994 alljährlich ein Fußballturnier für Hobbymannschaften, das mittlerweile in ganz Ostfriesland bekannt ist. Es wurde in den letzten Jahren erforderlich, neben dem eigentlichen Veranstaltungsplatz "Badeanstalt" weitere zwei Fußballfelder herzurichten, um den Ansturm der Meldungen für dieses Turnier gerecht zu werden.

Aber auch andere Aktivitäten wie das Anbosseln, Fahrradtouren, Jugendzeltlager, Weihnachtsfeiern, Saisonabschlussbosseln usw., usw. haben dazu geführt, dass die Mitgliederzahl insbesondere im Jugendbereich in den letzten Jahren stets gestiegen ist.

Der BV "Liek ut" Westersander-Hüllenerfehn hat sich trotz eines Alters von fast 80 Jahren seine jugendliche Frische erhalten und bietet allen Altersgruppen sowie aktiven und passiven Mitgliedern viel mehr als nur den Bosselsport!

stylde by richard van düllen

 

 

 

Wenn das Rad mit muss, höre ich mit Boßeln auf“

 

Friesensport: Jann Reuter mehr als vier Jahrzehnte im Vorstand von „Liek ut“ Westersander-Hüllenerfehn / Ehrenvorsitzender ist die „letzte Instanz“

 

 

Westersander/Hüllenerfehn.

Als Jann Reuter 1962 den Vorsitz des Boßelvereins „Liek ut“ Westersander-Hüllenerfehn übernahm, ahnte er nicht, dass er fast vier Jahrzehnte lang mit einer Unterbrechung das Ruder in der Hand halten sollte. Als 21-Jähriger kam er bei „Liek ut“ an die Spitze. Zuvor war er von 1957 bis 1962 als 2. Vorsitzender dabei.
Reuter übernahm Verantwortung, weil andere sie ablehnten. Und aus Familientradition. Sein Onkel Engelbart Reuter war der erste Vorsitzende des 1929 gegründeten Vereins. Er bekleidete das Amt rund 27 Jahre lang. Sein Neffe Jann blieb bis 1988 im Amt, machte dann Platz für Richard van Düllen, der 1994 aus beruflichen Gründen wieder das Steuer an seinen Vorgänger Reuter gab. Noch einmal stand Reuter bis zum Jahre 2009 an der Spitze des Vereins. Reuter gilt im Verein als durchsetzungsstark und unbequem.
„Seine kantige und direkte Art schmeckte nicht immer jedem. Der Erfolg hat Jann Reuter jedoch recht gegeben“, urteilte der Exvorsitzende Richard van Düllen in einer Pressemitteilung zum 80-jährigen Vereinsjubiläum im vergangenen Jahr. Drei Tage lang wurde gefeiert. Tanz und Musik im Zelt, ein Festumzug und ein großes Pokalturnier gehörten zum Rahmenprogramm. Während des runden Vereinsgeburtstags wurde Reuter zum Ehrenvorsitzenden von „Liek ut“ ernannt. Vom Friesischen Klootschießer-Verband (FKV) gab es den Ehrenteller.
Unter der Führung von Reuter wuchs der Verein stetig. Ein besonderes Lob erhielt Reuter für seine Verdienste um die Jugendarbeit. Sie lag ihm von Anfang an am Herzen. „Ohne Betreuer geht nichts. Sie sind für die Arbeit mit den Kindern wichtig“, stellt Reuter klar.
Gute Noten gibt es auch vom Nachbarverein Lübbertsfehn. „Germania“-Chef bezeichnet Reuter als einen „engagierten Mann, der voll hinter dem Boßelsport und dem Verein stand und sich besonders für die Frauen stark gemacht hat“.
Vereinsmitglied Wolfgang Albers beschreibt Reuter als „einen ehrlichen und geradlinigen Mann, der sich sehr um den Verein gekümmert hat“. Er sei die gute Seele im Verein und packe über all tatkräftig an. Gerne denkt Albers an die Wetten zwischen Reuter und der 1. Mannschaft. Im Vorjahr musste Reuter der Mannschaft ein Fässchen Bier für einen unerwarteten Auswärtssieg spendieren.
Dass Reuter kein einfacher Mensch ist im Umgang mit anderen, bestätigt auch Ehefrau Irmgard. „Jann nimmt kein Blatt vor den Mund“, sagt sie nach 45 Ehejahren. Sie hatte zu Beginn der Partnerschaft nichts mit Boßeln am Hut. Das hat sich im Verlaufe der Zeit geändert. Auch Reuters Frau nahm die Kugel in die Hand. Erfolge blieben nicht aus. Im Wintergarten hängen rund 20 Medaillen der beiden Eheleute an der Wand. Die Boßelei ging auch auf die drei Töchter Therese, Ingrid und Mariechen über. Der vor einigen Jahren plötzlich verstorbene Sohn Focke war auch Boßler durch und durch.
Boßeln ist für Reuter eine Leidenschaft. Da war und ist kein Platz für andere Sachen. „Zeit für andere Hobbys hatte ich nicht. Der Verein und der Boßelsport haben mich ausgefüllt“, sagt er. Das stimmt nicht ganz. Als Reuter noch jung war, hat er in den 50er und 60er Jahren auf der Bühne gestanden und Theater gespielt. Das vereinseigene Ensemble brachte plattdeutsche Stücke auf die Bühne. „Opa wird verkauft“ oder „Das Doktorbuch“, gehörten dazu, erinnert sich Reuter. Die Originalstücke waren meistens in Hamburger Platt verfasst. Sie mussten in hiesiges Plattdeutsch übersetzt werden. „Keine leichte Aufgabe“, sagt Reuter, „aber wenn das erst einmal geschafft war, dann kannten wir das Stück auch.“
Die Theatergruppe gibt es schon lange nicht mehr. Anfang der 70er Jahre fanden die letzten Aufführungen statt.
In seiner Boßellaufbahn blieb Reuter von Verletzungen verschont. Dennoch musste er dreimal ins Krankenhaus. Mit Vereinskollegen, die während der Wettkämpfe unglücklich von einer Kugel getroffen wurden. Unvergesslich bleibt für Reuter der Unfall mit Bahnanweiser Adolf Behrends. Er hat sich im Verein als „Onkel Adolf“ einen Namen gemacht und sorgte dafür, dass auf der schmalen Klinkerstraße die Kugeln in den richtigen Bahnen rollten. Einmal musste ein Wettkampf unterbrochen werden, weil „Onkel Adolf“ von einer Kugel im Schritt getroffen wurde. Eine schmerzhafte Erfahrung für den legendären Bahnanweiser, aber kein Grund nach Hause oder ins Krankenhaus zu gehen. Nach einer kurzen Verschnaufpause stand Behrends wieder auf der Straße und gab die Anweisungen „hier mutt he tickern“. Reuter geht regelmäßig mit der Männer-IV-Mannschaft auf die Straße. Hermann Janssen ist mit 73 Jahren der älteste Werfer der Truppe. „Ein Werfer mit viel Gang“, lobt Reuter die Kraft von Janssen. Seine Mannschaft belegt in der Tabelle einen Platz in der oberen Hälfte. Boßeln ist ein Sport, der bis ins hohe Alter ausgeübt werden kann. Reuter hat für sich den Zeitpunkt des Aufhörens insgeheim festgelegt. „Wenn das Rad mit muss, dann höre ich mit dem Boßeln auf. Noch geht´s ohne“, freut sich Reuter auf weitere Kämpfe und Zusammenkünfte mit den Werfern in den Vereinsgaststätten. „Früher haben sich die Leute mehr Zeit genommen, um nach den Spielen noch zusammenzusitzen. Das ist heute anders“, stellt Reuter ernüchternd fest. Und Weiter: „Es gibt Werfer, die gehen früh oder kommen gar nicht mehr mit rein. Das ist schade.“

 

Ostfriesischen Nachrichten vom 20.2.2010 Verfasser Wolf-Rüdiger Saathoff.